London im Sommer '05

Mittowch 3. August 2005 bis Sonntag 7. August 2005

Vorbereitungen

Schon lange war's versprochen, endlich sollte es sein. Anfang August haben wir, Anita und Markus, die Reise durchgeführt. Fast hätte es allerdings nicht geklappt. Die bösen Terroristen haben London unsicher gemacht. Nach dem ersten Anschlag war klar, jetzt ist London sicher, jetzt ist so viel Polizei und Ueberwachung vorhanden, dass nichts mehr passieren kann. Und dann passierte wieder etwas. Sollen wir nun die Reise absagen? Können wir überhaupt vom schon bezahlten Arrangement zurücktreten? Die Meinungen waren breit gestreut und deckten das ganze Spektrum von "bist du wahnsinnig!" bis "jetzt erst recht!" ab. Anita und ich haben uns gesagt, "Let's go!". Sogar wenn nochmals was passiert, heisst das doch noch lange nicht, dass wir davon auch betroffen sein müssen. Also haben wir gepackt und uns auf den Weg gemacht.

Mittowch: Basel - London

Am späten Vormittag Abflug mit British Airways von Basel nach London Heathrow. Anita ist schrecklich aufgeregt und hat Angst vor dem Fliegen. Die Maschine rollt auf die Startbahn, der Pilot gibt Gas und die Maschine hebt ab. Anita ist begeistert. Wie sie dannn die ersten Wolken von oben sieht, ist die Flugangst weg und sie freut sich schon auf den Heimflug (nein, nicht wegen dem "Heim" sondern wegen dem "Flug").

Wir haben einen ruhigen Flug, die Wolkendecke ist auf der ganzen Strecke aufgelockert. Der Anflug auf Heathrow führt direkt über das Zentrum von London. Wir sehen den ganzen Stadtplan unter uns ausgebreitet, die Themse, Tower, Houses of Parliament, die grossen Parks - es ist einfach toll. Nach der Landung müssen wir eine gute Viertelstunde im Flugzeug ausharren, da zwar ein Bus da ist, um uns Passagiere zum Terminal zu bringen, jedoch hat man vergessen, eine Gangway zu besorgen. Jetzt noch durch die Passkontrolle und am Zoll vorbei - wir sind in England angekommen.

Ich erkläre Anita, wie das mit der Underground und den Tickets funktioniert und dann ab auf die Piccadilly-Line. Unser Hotel ist gleich um die Ecke von der Earls Court Station. Es befindet sich in einer ruhigen Seitenstrasse und ist ganz im klassischen englischen Stil gehalten. Wir werden freundlich empfangen und fühlen uns gleich wohl.

Nur kurz Auspacken und schon geht's los. Wir fahren zum Piccadilly Circus und starten den ersten grossen Bummel die Regents Street entlang. Anita ist begeistert: Shopping wo man hinschaut. Wir planen einen Theaterbesuch. Ich habe mich schon zu hause schlau gemacht, was denn so läuft in London und was für Anita und mich in Frage kommt. Wir gehen gleich zum Prince Edward Theater und besorgen uns Tickets für Mary Poppins vom kommenden Freitag. Irgendwann meldet sich dann der Magen und wir suchen uns ein gutes indisches Restaurant (ich kenne mich aus in London und weiss, wo es gut und günstig ist). Es ist wohl bald 23.00 Uhr, als wir den Weg in Bett finden.

Donnerstag: Harrods, Stadtrundfahrt, Tower, St. Pauls

Nach einem ausgiebigen englischen Frühstück bummeln wir vom Hotel aus zu Harrods. Ein Warenhaus, das man einfach gesehen haben muss. In den Warenhäusern bei uns wird darauf geachtet, dass möglichst alles gleich aussieht. Bei Harrods hat jede Abteilung ihren ganz eigenen Stil. Wenn auch die Preise nicht kompatibel zu unserem Budget sind, geniessen wir die Atmosphäre trotzdem. In der Musikabteilung ist eine junge Frau indischer Abstammmung gerade dabei, sich einen Konzertflügel auszusuchen. Sie setzt sich vor ein Klavier und beginnt aus dem Stegreif zu spielen. Anita und ich bleiben stehen und hören zu. Wie sie dann, quasi so nebenbei, einen Satz aus einem Chopin Klavierkonzert spielt, läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Später treffen wir die junge Frau Handtasche schlenkernd auf dem Weg zur Untergrundbahn wieder.

Was ist London ohne Doppeldeckerbus? Wir machen uns auf Richtung Victoria-Station, von wo wir eine ausführliche Stadtrundfahrt auf dem Oberdeck eines Buses starten. Begravia - Oxford-Street - Piccadilly - Trafalger - Whithall - Big Ben - Houses of Parliament - Westminster Abby - London Eye - St. Pauls - London Bridge - Tower Bridge - Tower of London. Uff, jetzt haben wir genug vom Autofahren, wir sind seit weit über 2 Stunden unterwegs. Wir geniessen einige ruhige Momente am Ufer der Themse und schauen uns den Tower (allerdings nur von aussen) an. Danach spazieren wir der Themse entlang Richtung St. Pauls.

Diese Kirche muss man einfach gesehen haben. Besonders wenn ich Anita erkläre, dass hier Diana und Charles geheiratet haben. Prinzen und Prinzessinnen haben halt schon ihren ganz eigenen Reiz. Wieviele Treppenstufen sind es bis ganz nach oben? Wir haben sie nicht gezählt - aber es sind sehr viele! Die Mühe lohnt sich. Schon die Flüstergallerie in der Kuppel ist eindrücklich. Leider hat es zu viele Leute, so dass der Schall, der eigentlich der Wand entlang ganz rund um die Kuppel wandern sollte, blockiert ist. Der Blick von der Gallerie ins Kirchenschiff ist gewaltig. Und weiter geht es, noch mehr Treppen. Ganz oben liegt uns dann London zu Füssen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich hier oben bin, aber ich bin immer wieder beeindruckt. Anita weiss nicht, wo sie zuerst hinschauen soll.

Gegen Abend lassen wir uns rund um Piccadilly treiben. Es gibt so viel zu sehen, es ist so viel los hier. Die Karrikaturisten am Leicester Square haben es Anita besonders angetan. Wir schauen zu, wie mehr oder weniger hübsche Touristen auf dem Zeichenpapier mehr oder weniger nett dargestellt werden.

Das Nachtessen ist heute mexikanisch. Nach einem (Verdauungs-)Bummel Richtung Buckingham Palast ("Buckingham Palace by Night") landen wir schliesslich kurz vor Mitternacht im Hotel.

Freitag: Wachablösung, Madame Tussauds, Theater, London by Night

Heute ist Wachablösung vor dem Palast. Wir müssen uns sputen, um einen guten Platz ganz vorne am Zaun zu erhalten. Eine gute Stunde vor Beginn sind wir da - und müssen schon fast drängen, um noch nach vorne zu kommen. Hinter uns Japaner, links neben uns Südamerikaner, rechts eine Gruppe aus Osteuropa (vermuten wir mal), rundum Touristen aus aller Welt - sogar Engländer sind da. Das Spektakel ist eindrücklich, Marschformationen, Stechschritt, Paraden. Und dann ein Platzkonzert der Militärkapelle. Eröffnung mit der Erkennungsmelodie von James Bond. Weiter geht es mit Beatles und vielem anderem. Klassische Blasmusik? Nix da! Und das Publikum ist begeistert.

Der Himmel ist nicht ganz dicht, es tröpfelt immer wieder, daher beschliessen wir, uns Madame Tussauds vorzunehmen (Anita ist irgendwie auf "Madame Tussi" gekommen). Es sind zwar viele Leute hier, aber das Gedränge hält sich in Grenzen. Anita ist fasziniert von der Lebensechtheit der Figuren. Und wie dann auch noch Robbie Williams neben Angelina Jolie steht, ist sie nicht mehr zu halten. Auch mir bietet sich die Gelegenheit, Prominenz kennen zu lernen. Besonders gut habe ich mit dem Dalai Lama unterhalten. Mit Albert Einstein verbindet mich natürlich viel, schliesslich sind wir ja Berufskollegen. Einige Aspekte der allgemeinen Relativitätstheorie konnte ich dann sogar mit Steven Hawking diskutieren. Es ist schon interessant, wen man da alles antreffen kann....

Am späten Nachmittag geht's dann zurück ins Hotel. Jetzt ist Stylen angesagt, schliesslich gehen wir heute Abend ins Theater. Anita freut sich auf Mary Poppins. Wir erleben ein Feuerwerk von Musical. Ene Aufführung, wie sie sein muss. Punkt. Wer Mary Poppins kennt, weiss, dass da einiges an Trickeffekten vorkommt. Es ist ganz toll, wie diese im Theater realisiert worden sind. Mary Poppins kann wirklich mit dem Schirm fliegen, Der Kaminfeger kann einen gemalten Blumenstrauss aus dem Bild reissen und Mary Poppins als echte Blumen überreichen. Wir sind hingerissen, eine grandiose Show. Das Publikum tobt, viele Leute stehen auf und bieten eine Standing Ovation.

Und was macht man nun mit so einem angebrochenen Abend in London? Zuerst ein Bummel durch Soho (das chinesische Viertel hat es Anita besonders angetan), dann noch etwas London by Night. Während der Stadtrundfahrt im Bus haben wir erfahren, dass man maximal 37 Minuten am Piccadilly Circus warten muss, bis man jemanden trifft, den man kennt. Anita will das natürlich ausprobieren. Nun, 37 Minuten wollten wir dann doch nicht warten...

Es gibt einge Dinge in London, die man einfach gesehen haben muss, wenn man hier ist. Dazu gehört der beleuchtete Big Ben und der Blick von der Westminsterbridge zum Houses of Parliament. Das nehmen wir noch mit, bis wir dann gegen 01:00 Uhr endlich ins Bett kommen.

Samstag: Londoner Parks, Covent Garden

Heute wollen wir es etwas gemütlicher halten, nachem es letzte Nacht sehr spät geworden ist. Wir spazieren zum Kensingtons Gardens. Mitten in der Millionenstadt eine grüne Oase - toll! Langsam bummeln wir im Park queer über Wiesen und durch kleine Baumgruppen. Beim Serpentine, dem langen schlanken See, finden wir den im Andenken an Lady Diana gebauten Brunnen. In einer langen flachen Kaskade fliesst Wasser rechts und links über verschiedenste Untergründe. Einmal ganz flach, dann wieder gekräuselt, über Schwellen und Rippen, eng, dann wieder breit.

Unter den Bäumen am See-Ende sitzen Schwäne. Davon hat es im ganzen Park viele. Offenbar gefällt es denen auch hier. Die Stimmung ist friedlich, wir geniessen die Ruhe. Und bekommen langsam Hunger. Nach einem Imbiss am Seeufer ruft dann aber doch wieder das Verlangen nach Stadt. Wir machen uns auf den Weg nach Covent Garden. Da ist Leben! An jeder Ecke Strassenkünstler, Jongleure, Zauberer, Musikanten, Komiker. Und dann die Shops und Restaurants.

Nach einem (kurzen) Abstecher ins Hotel machen wir uns am Abend wieder auf zu einem letzten Bummel entlang der Oxfordstreet, dann runter Richtung Leicestersquare. Nocheinmal gibt es ein sehr gutes indisches Nachtessen, bevor wir dann endgültig die letzte Nacht im Londoner Hotelbett verbringen.

Sonntag: London - Basel

Ein gutes Morgenessen, nocheinmal so richtig englisch, dann geht's ab zum Flughafen. Da die Piccadilly-Linie an diesem Wochenende wegen Geleisearbeiten geschlossen ist, fahren wird zur Paddington-Station und nehmen von dort den Heathrow-Express. Paddington? Da war doch was... Natürlich! Anita hat früher mit Begeisterung die Abenteuer des kleinen Bären Paddington gelesen. Jetzt kann sie selbst sehen, wo dieser Bär hergekommen ist.

Ein kleines Problem ergibt sich noch am Flugplatz. Der Abflug verzögert sich um 2 Stunden, weil die Maschine irgendwo aufgehalten worden ist. Bis dann endlich Ersatzflugzeug und -Mannschaft organisiert sind, hängen wir fest. Der Rückflug selbst ist kein Problem und am frühen Abend sind wir zufrieden und mit ganz vielen tollen Erinnerungen wieder zu hause.

Markus und Anita